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Neues aus dem Zentrum für Gesundheitsethik

Mehr erfahren

(Bild: Julia Inthorn)

Dr. Julia Inthorn



Zentrum für Gesundheitsethik an der
Ev. Akademie Loccum





Aus dem Zentrum für Gesundheitsethik

Liebe Leser*innen, liebe Kolleg*innen, liebe Ethik-Interessierte,

ein zweiter Sommer ist geprägt von der Pandemie. Während die Organisation von verschiedenen Online- und Hybrid-Formaten am Zentrum für Gesundheitsethik inzwischen zur Routine geworden ist, sind in der ethischen Debatte rund um die Pandemie weiterhin kontinuierlich neue Fragen zu bearbeiten. Der Schutz der Kinder und die Sorge um die Impfquote prägen gerade das Nachdenken sowohl in der individuellen Abwägung als auch im gesellschaftlichen Raum. 

Daneben rückt zunehmend die Reflexion über Entscheidungen in den Fokus, die während der Pandemie häufig unter großer Unsicherheit und mit wenig gesichertem Wissen getroffen wurden oder getroffen werden mussten.“ Welche Maßnahmen waren im Nachhinein verhältnismäßig? Welche nicht intendierten Folgen hatten sie? Welche Belastungen wurden erst spät in der Pandemie deutlich? Der Umgang mit persönlicher und institutioneller Verantwortung, das Anerkennen von Belastungen und Handeln in Solidarität können so nicht nur methodisch reflektiert, sondern auch in ihrer normativen Bedeutung gestärkt werden.

Wir freuen uns darauf, diese Fragen gemeinsam weiterzuentwickeln und in neuen Diskursformaten zu diskutieren.

Es grüßt Sie im Namen des Zentrums für Gesundheitsethik

Ihre Julia Inthorn
Direktorin


Hintergrund
(Bild: ZfG S. Hennemuth)

Delta – und kein Ende in Sicht?

Immer wieder war die Hoffnung groß, dass das Ende der Pandemie erreicht sein könnte. Inzwischen ist klar, dass das Virus und seine Varianten nicht verschwinden werden: sie sind ein neues Risiko, mit dem wir werden leben müssen. Wie also kann ein Ende der Pandemie aussehen?

Noch erscheint es vielen zu früh, weitreichende Lockerungen und eine Rückkehr zur „Normalität“ zu riskieren. Andererseits sind die Ressourcen, ständig wechselnde Sondersituationen gut zu bewältigen, vielfach aufgebraucht. Bedürfnisse nach Schutz und Freiheit gehen weit auseinander. Neben diese inzwischen bekannte, notwendige Abwägung zwischen Gesundheitsschutz und Freiheit tritt zunehmend die Frage, wie Verantwortung für diese Abwägung zwischen staatlichem Handeln und individuellen Entscheidungen verteilt werden soll. Wann müssen allgemeine Regeln greifen, um vulnerable Gruppen zu schützen – und welches Risiko kann und soll individuell abgewogen werden? Für diese Frage braucht es andere Kennzahlen als die Inzidenz.

Ist ein Ende der Verordnungen dann auch das Ende der Pandemie? Im mittelalterlichen München kamen, so wird erzählt, am Ende der Pest die Schäffler (Fassmacher) als erste wieder auf die Straßen und tanzten. Hieran wird bis heute in München mit dem Schäfflertanz erinnert. Was kann für uns ein Ende der Pandemie greifbar machen?


Schlaglicht: Tagungen
(Bild: Landeskirche Hannover)

Kirche und Corona – drei Ebenen der Diskussion: eine Zwischenbeobachtung

Unter dem Titel „Seuchen und Religion“ führen das Zentrum für Gesundheitsethik und die Evangelische Akademie Loccum eine Tagungsreihe durch. Die Auftakttagung verdeutlichte bereits, dass das Agieren von Kirche als Institution und die innertheologische Diskussion auf verschiedenen, jedoch aufeinander bezogenen Ebenen zu betrachten sind:

Die erste Ebene thematisiert kontrovers das praktische Verhalten der Kirche in der Coronakrise und in den Lockdown-Situationen. Für die einen hat sich die Kirche zu staatskonform und zu unkritisch verhalten, für die anderen war sie eine Anwältin einer solidarischen Gesundheitsethik.

Die zweite Ebene nimmt Äußerungen der Kirche zur Pandemie in den Blick. Hier geht es um eine Rechtfertigung, Reflexion und Erklärung des praktischen Verhaltens der Kirche, also der ersten Ebene.

Die dritte Ebene fragt nach dem Verhältnis von Theologie und Corona: Was hat Gott mit Corona zu tun? Wie kann er das zulassen bzw. warum hat er es nicht verhindert? Auf dieser Ebene werden traditionelle Debatten nach dem Ursprung des Bösen, nach der Herkunft von Krankheiten und einem glaubwürdigen Gottesbild neu verhandelt. Dieser Diskurs steht derzeit am Anfang.

Hier sind theologisch bekannte Positionen und neu zu entwickelnde Einsichten, die schlussendlich alle drei Ebenen betreffen, in Dialog zu bringen. 

Die Reihe wird im Juni 2022 fortgesetzt.


ZfG intern
(Bild: ZfG S. Hennemuth)

Wechsel im Kuratoriumsvorsitz

Das Zentrum für Gesundheitsethik hat eine neue Kuratoriumsvorsitzende: Nach dem turnusmäßigen Ende der Amtszeit des langjährigen Vorsitzenden, des Göttinger Theologen Prof. Martin Laube, wurde in der letzten Kuratoriumssitzung Prof. Sabine Salloch, Medizinethikerin an der Medizinischen Hochschule Hannover, zur neuen Vorsitzenden gewählt. Das Zentrum für Gesundheitsethik freut sich auf die Zusammenarbeit.

Das Zentrum für Gesundheitsethik dankt Prof. Laube für seine Unterstützung, sein Engagement und seine wertschätzende und anregende Förderung der Arbeit des ZfG.


Ethik praktisch
(Bild: Landeskirche Hannover)

Institutionen – ein Thema für die Public-Health-Ethik

Im letzten Monat wurde bekannt, dass einige Krankenhäuser falsche Angaben zur Auslastung ihrer Intensivbettenkapazitäten gemacht haben, um im Zuge der Corona-Krise an zusätzliche Fördergelder des Bundes zu gelangen. Zwar wurde durch dieses Verhalten kein*e Patient*in direkt geschädigt und kein*e Arzt/Ärztin an der sachgemäßen Durchführung seiner/ihrer Arbeit gehindert, dennoch stellt es zweifelsohne ein ethisch bedenkliches Verhalten dar.

Aus theoretischer Sicht macht dieser Sachverhalt deutlich, dass in der Public-Health-Ethik auch Verhaltensstandards und Prinzipien für Institutionen herausgearbeitet und benannt werden sollten, die nicht direkt auf das Arzt-Patienten-Geschehen rekurrieren, sondern die Existenz- und Gelingensbedingungen der Institutionen selbst aus normativer Perspektive in den Blick nehmen. So sind etwa Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen oder die Einrichtungen der Wohlfahrt über den §12 SGB V (das Wirtschaftlichkeitsgebot) zu gemeinwohlorientiertem Verhalten verpflichtet. Formen "kreativer Buchführung" verstoßen damit nicht bloß gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot, sondern auch gegen das Gemeinwohlprinzip, da diese Methoden das Kollektivgut Gesundheit als Ganzes schädigen, indem sie die zur Realisierung notwendigen materiellen Ressourcen aus eigennützigem Interesse schmälern.


Aktuelles


Digitale Patientenversorgung


Digitalisierung von Diagnostik, Therapie und Pflege wird breit diskutiert. Mitunter fehlt vor dem Eindruck der Neuartigkeit der Blick auf bereits etablierte und neu strukturierte Formen der Auseinandersetzung dazu. Der Band „Digitale Patientenversorgung. Zur Computerisierung von Diagnostik, Therapie und Pflege“ bietet interdisziplinäre Zugänge hierzu.


Zum Weiterdenken
(Bild: Fotograf Jens Schulze)

Welche Solidarität?


Zum Nachhören: Was heißt es, solidarisch zu sein? Was im Gesundheitssystem lange als Frage der Ausgestaltung von Krankenversicherungen und Finanzierungssystemen diskutiert wurde ist – spätestens in der Pandemie – auch zu einer Frage individueller Haltung und Verantwortung geworden. Hierzu tauschten sich Staatssekretär H. Scholz, die Präsidentin der Landesärztekammer Niedersachsen Dr. M. Wenker und Dr. J. Inthorn vom Zentrum für Gesundheitsethik bei einer Veranstaltung des Hanns-Lilje-Forums aus (Mitschnitt des Abends 17.06.2021).



Ein Anmeldeformular für unsere Kurse und Tagungen finden Sie auf unserer Website unter www.zfg-hannover.de.

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