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Neues aus dem Zentrum für Gesundheitsethik

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(Bild: Julia Inthorn)

Dr. Julia Inthorn



Zentrum für Gesundheitsethik an der
Ev. Akademie Loccum





Aus dem Zentrum für Gesundheitsethik


Liebe Leser*innen, liebe Ethik-Interessierte,
weiterhin prägt die Pandemie viele inhaltliche und auch praktische Fragen der Arbeit am Zentrum für Gesundheitsethik. Inhaltlich verändern sich die Themen durch die jeweils gerade bestehende Situation. Beim Thema Impfen etwa bestimmt nicht mehr die Priorisierung die Diskussion, sondern Überlegungen, wie die Impfbereitschaft erhöht werden kann.
Praktisch müssen auch wir für Veranstaltungen, die wieder in Präsenz stattfinden, die Frage 2G oder 3G in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Veranstaltungsort klären und wollen vor Ort Formen des Zusammenkommens gestalten, in denen das Bedürfnis nach persönlichem Austausch und der Wunsch nach Sicherheit gleichermaßen berücksichtigt werden.
Mit den Erfahrungen aus den digitalen Formaten arbeiten wir für zukünftige Veranstaltungen weiter daran, neue Möglichkeiten des Austauschs und der Teilnahme zu entwickeln und freuen uns über Ihre Rückmeldung und gemeinsame Diskussion auch zu diesem Thema.
Es grüßt Sie im Namen des Zentrums für Gesundheitsethik,
Ihre Julia Inthorn
Direktorin


Aktuelles                                                                           
(Bild: Benjamin Roth)

Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen?

Soll es eine Imfpflicht für Kinder- und Jugendärzt:innen geben? Und in welchem Verhältnis sind berufliches Selbstverständnis und Recht hier zu denken?
Wir haben Dr. Buck, Kinderarzt und Mitglied im Vorstand der Ärztekammer Niedersachsen dazu befragt: link


Aus unserer Forschung                                                    
(Bild: Benjamin Roth)

10 Jahre AMNOG - eine Bilanz aus gesundheitsethischer Sicht

Im Januar 2011 trat das Arzneimittelmarkt-neuordnungsgesetz (AMNOG) mit dem Ziel, patentgeschützte Arzneimittel mit einem am tatsächlichen Produktnutzen orientierten Erstattungspreis zu versehen, in Kraft. Die Tendenz zu sog. „Mondpreisen“ bei Arzneimittelinnovationen sollte damit ein Riegel vorgeschoben werden. Die realisierten Einsparungen für die Solidargemeinschaft liegen, das Jahr 2021 mitbetrachtet, knapp im zweistelligen Milliarden-Bereich. Damit leistet das AMNOG einen Beitrag, das Gesundheitswesen auch für zukünftige Generationen auf hohem qualitativem Niveau finanzierbar zu halten. Zudem schließt das AMNOG – anders als etwa ein auf Lebensjahre ausgerichtetes System – keine einzelne Patient*innengruppe aufgrund angeborener (z. B. Alter, körperliche oder geistige Beeinträchtigungen) oder erworbener (z. B. Leistungssport, Raucher) Dispositionen von der Versorgung mit Arzneimittelinnovationen aus. Die zentrale Zusatznutzenbewertung findet ausschließlich auf Basis medizinischer Daten – und nicht etwa als Kosten-Nutzen-Bewertung – statt. Das AMNOG steht damit im Einklang mit zentralen ethischen Prinzipien, wie dem Gleichheitsgebot und dem Nichtschadensprinzip.


Zum Weiterdenken                                                           
(Bild: Benjamin Roth)

„Guten Tag! Haben Sie kurz Zeit über den Tod zu sprechen?“

„Guten Tag! Haben Sie kurz Zeit über den Tod zu sprechen?“. Wer mit dieser Frage an unsere Haustür klopft, wird wohl nicht gerade wohlwollend eingelassen. Das Sprechen über den Tod bleibt schwierig.
In Filmen oder Videospielen hingegen ist der Tod omnipräsent. Hier scheint es beinahe unmöglich, ihn auszuklammern, macht er Filme und Spiele doch oftmals erst interessant.
Obwohl wir über den Prozess des Todes medizinisch viel wissen und ihm medial kontinuierlich begegnen, lehrt uns das nicht, über ihn zu sprechen.
Wieviel und welches Sprechen über den Tod ist ethisch betrachtet gut? Und wie hängt das Sprechen über den Tod mit dem Leben und einer Ethik des guten Lebens zusammen? Und wie muss dann die Begegnung mit dem Tod in Filmen und Spielen betrachtet werden?


Gesundheitsrecht aktuell                                                  
(Bild: S. Hennemuth)

150 Jahre § 218

Vor 150 Jahren ist der § 218 in das Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches aufgenommen worden. Auch wenn die strafrechtlichen Bestimmungen zum Schwangerschaftsabbruch seitdem mehrfach entschärft worden sind, sorgt dieser Paragraph weiterhin für Kontroversen. Frauenverbände und andere zivilgesellschaftliche Organisationen haben das 150jährige Bestehen zum Anlass genommen, auf Defizite bei der Versorgung ungewollt Schwangerer hinzuweisen und die schon früher erhobene Forderung nach einer Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs zu erneuern.
Aus ethischer und rechtlicher Perspektive besteht die Herausforderung bei der Regelung des Schwangerschaftsabbruchs darin, die Persönlichkeitsrechte der Frau und den Schutzanspruch des ungeborenen Lebens zusammenzudenken. Wie unterschiedlich die Akzente dabei gesetzt werden können, hat die gesellschaftliche und politische Debatte Anfang der neunziger Jahre gezeigt. Die 1995 in Kraft getretene Fristenregelung mit Beratungspflicht stellt einen Kompromiss dar, der Schwangerschaftsabbrüche während der ersten zwölf Wochen (und bei Vorliegen einer entsprechenden Indikation auch darüber hinaus) ermöglicht, ohne sie rechtlich zu billigen. Aber auch mühsam errungene Kompromisse dürfen und müssen in einer Demokratie hinterfragt werden. Insofern ist es durchaus sinnvoll, mehr als 25 Jahre nach der letzten Reform des § 218 noch einmal kritisch zu prüfen, welche Strafvorschriften zum Schutz des ungeborenen Lebens tatsächlich notwendig und sinnvoll sind (und welche nicht). 


Ethik praktisch                                                                  
(Bild: Benjamin Roth)

„Psychogene Infertilität“ – Mythos oder Faktum?

In der Beratung und Therapie ungewollt kinderloser Paare ist das Konzept der psychogenen Infertilität weiterhin verbreitet. Psychogenen Infertilität beschreibt als Konzept die Annahme, dass die Unfruchtbarkeit eines Paares seine Ursache allein in psychischen Faktoren hat. Eine solche Zuschreibung insbesondere im Rahmen professioneller psychosozialer und medizinischer Beratung geschieht allerdings oft vorschnell. Die Annahme der „psychischen Blockade“ ist für ungewollt kinderlose Paare kontraproduktiv, stigmatisierend und trägt maßgeblich zum Konstrukt der psychogenen Infertilität bei. Wissenschaftliche Studien kritisieren das Konzept der psychogenen Infertilität als Erklärungsmodell für Unfruchtbarkeit als unzureichend. Die Auswirkungen von Alltagsstress auf die Fruchtbarkeit werden oft überbewertet. Es ist im Interesse der betroffenen Paare für die Reproduktionsmedizin und Kinderwunschberatung wichtig und auch ethisch erstrebenswert, psychogene Infertilität als Erklärungsmodell für Unfruchtbarkeit kritisch zu hinterfragen, die Folgen der Verwendung des Konzepts zu erkennen, und andere Lebensstil- und Verhaltensfaktoren miteinzubeziehen, die sich nachweislich fertilitäts-einschränkend auswirken. Diese sollten proaktiv angesprochen werden. 



Ein Anmeldeformular für unsere Kurse und Tagungen finden Sie auf unserer Website unter www.zfg-hannover.de.

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