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Neues aus dem Zentrum für Gesundheitsethik

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(Bild: Julia Inthorn)

Dr. Julia Inthorn



Zentrum für Gesundheitsethik an der
Ev. Akademie Loccum





Aus dem Zentrum für Gesundheitsethik

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Ethik-Interessierte,


das Jahr neigt sich dem Ende zu, erneut ein Jahr in dem die Pandemie maßgeblich sowohl die Organisation von Veranstaltungen geprägt hat als auch für eine schnelle Abfolge von gesundheitsethischen Fragestellungen in der öffentlichen Debatte gesorgt hat. Das Jahr hat allen viel abverlangt. Die schnell wechselnden Themen, sich kontinuierlich ändernde Regelungen für Büroalltag, Tagungen und andere Formate des Zusammenarbeitens erforderten viel Flexibilität, Spontanität und Kreativität. Dass dabei konstruktiver Austausch möglich war und die Zusammenarbeit in vielen Bereichen gestärkt werden konnte, dafür möchte ich mich zum Jahresende bedanken.


Aktuell bereiten wir das Jahresprogramm für 2022 vor. Wir freuen uns, an vielfältige Diskussionen aus diesem Jahr anknüpfen zu können und Themen - auch in der Auseinandersetzung mit ethischen Fragen in der Pandemie - weiter mit Ihnen zu vertiefen.


Wir wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein gesundes neues Jahr!


Es grüßt Sie im Namen des Zentrums für Gesundheitsethik


Ihre Julia Inthorn
Direktorin


Aktuelles                                                                           
(Bild: Julia Inthorn)

Gesundheitspolitische Vorhaben im Koalitionsvertrag

Die neue Ampel-Regierung skizziert im Koalitionsvertrag ihre Pläne zur Gestaltung der Gesundheitsversorgung. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Stärkung der Pflege. Reaktionen hierzu gab es unter anderem vom Deutschen evangelischen Krankenhausverband (link).


Kontroverse                                                                  
(Bild: Ruth Denkhaus)

Triage für Ungeimpfte?

Mit der Zuspitzung der Lage auf den Intensivstationen ist wieder vermehrt von einer drohenden Triage die Rede. Die zuständigen Fachgesellschaften haben klargestellt, dass der Impfstatus bei Priorisierungsentscheidungen keine Rolle spielen darf. Angesichts der Tatsache, dass die große Mehrheit der aktuell auf den Intensivstationen behandelten Covid-19-Patient*innen ungeimpft ist, mag dies bei einigen für Irritationen sorgen: Warum sollte jemand, der bewusst das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs eingegangen ist, jemandem ein Bett „wegnehmen“, der durch eine Impfung seinen Beitrag dazu geleistet hat, sich selbst und andere zu schützen?

Der ethische und rechtliche Grundsatz, dass jeder und jede grundsätzlich den gleichen Anspruch auf eine lebensrettende medizinische Behandlung hat, unabhängig vom eigenen Vorverhalten, behält jedoch auch in der Ausnahmesituation einer Pandemie seinen guten Sinn. „Mitverantwortung für die eigene Notlage“ ist schon deswegen kein geeignetes Triagekriterium, weil man das eigene Risiko, einen Intensivplatz zu benötigen, nicht nur durch eine Impfung bzw. den Verzicht darauf beeinflussen kann. Wer nach einem Motorradunfall schwer verletzt im Koma liegt und beatmet werden muss, belegt genauso „unnötig“ ein Intensivbett wie jemand, der ungeimpft schwer an Covid-19 erkrankt. Hier für Gerechtigkeit sorgen zu wollen, wäre nicht nur ein aussichtsloses Unterfangen, sondern würde zugleich den Charakter von Krankenhäusern als Orten der Hilfeleistung fundamental verändern.


Zum Weiterdenken                                                           
(Bild: Landeskirche Hannovers)

Die Vorstellungen vom Lebensende wandeln sich. „Kurz und schmerzlos“, so wünschen sich viele Menschen ihr Sterben. Vielen ist es aber auch wichtig, sich intensiv darauf vorzubereiten und Vorsorge zu treffen. Selbstbestimmung steht dabei oft im Mittelpunkt und der Wunsch nach einer individuell ausgerichteten Begleitung. Ist Sterben das letzte biografische Lebensprojekt? Wie haben sich Sterbekulturen in den letzten Jahren verändert? Was prägt die Vorstellungen vom Lebensende heute? Welche ethischen Diskurse sind damit verbunden, und welche Stimme hat hier Theologie und Kirche? Dazu finden Sie hier (Link) einen Podcast.


Aus unserer Forschung                                                    
(Bild: B. Roth)

Die XRCS-App: Auswertung von Nutzer*innen-Kommentaren

XRCS ist eine Spiritualitäts-App der Landeskirche Hannovers (seit Ende 2022 abgelöst durch Evermore) mit dem Ziel, Impulse zur Alltagsunterbrechung, Vertiefung der eigenen Spiritualität und Momente innerer Ruhe im Alltag bereitzustellen. Am Zentrum für Gesundheitsethik wurden nun Angaben und frei formulierte Rückmeldungen von 1616 Nutzer*innen, die über die Website der App eingegangen waren, systematisch ausgewertet.

Die Ergebnisse zeigen, dass XRCS nicht nur von kirchlich gebundenen Personen genutzt wird: 6% der Nutzer*innen geben bei der Frage nach Religionszugehörig atheistisch und 9% ‚sonstige‘ an. Die Mehrheit (70%) bezeichnet sich als evangelisch, 15% als katholisch. Aus gesundheitsethischer Perspektive ist unter anderem besonders interessant, welche Verbindungen zwischen Wohlergehen, Spiritualität und App-Nutzung die Nutzer*innen in ihren Äußerungen herstellen. Gibt es Hinweise auf Vorstellungen von spiritueller Gesundheit oder auf Auswirkungen von Spiritualität auf das individuelle Wohl? In den Texten von insgesamt 45 Nutzer*innen wird eine Verbindung zwischen Spiritualität und Wohl hergestellt. Darüber hinaus finden sich Aussagen, die die Unterstützung durch die App im Kontext der eigenen Gesundheit bzw. einer diagnostizierten Krankheit thematisieren.  Die Ergebnisse der Studie geben Hinweise auf Dimensionen spiritueller Gesundheit im Alltag und den Möglichkeiten digitaler Angebote dabei.


Ethik praktisch                                                              
(Bild: Julia Inthorn)

Ethik in die Praxis bringen

Ethische Fragen vor den Hintergrund theoretischer Ansätze zu diskutieren, begriffliche Differenzierungen und Strukturierungen von Argumenten zu erarbeiten gehört zu den Kernaufgaben der Ethik – denken wir etwa an Auseinandersetzungen um ein angemessenes Verständnis von Autonomie in verschiedenen Entscheidungskontexten. Zunehmend wird in empirisch-ethischen Forschungsansätzen auch die Praxis untersucht. Dabei wird zum Beispiel nach moralischen Positionen der Akteure etwa zur Impfpflicht oder dem assistierten Suizid oder auch förderlichen und hemmenden Faktoren bei der Umsetzung von gemeinsam getragenen ethischen Vorgaben gefragt. Oft stellt sich dabei heraus, dass eine Lücke klafft zwischen dem – ethisch gut begründeten – „Sollen“ und dem "Ist" der Realität. 
Wie kann der Schritt in die Umsetzung besser gelingen; so dass Ergebnisse der Ethik auch vor Ort bei Patient*innen ankommen und diese Lücke verkleinert wird?
Gemeinsam mit Ethiker*innen aus Europa gehen wir aktuell diesen methodischen Fragen nach. Dabei liegt ein Fokus auf der klinischen und außerklinischen Ethikarbeit als besonderer Verankerung von Ethik im Krankenhaus.



Ein Anmeldeformular für unsere Kurse und Tagungen finden Sie auf unserer Website unter www.zfg-hannover.de.

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